Randständige will man nicht mehr in Bern. Darum wurden beim Umbau des Bahnhofs vor einigen Jahren sämtliche Sitzflächen entfernt. In einem Bahnhof mochte es den einen oder anderen Alkoholiker noch leiden. Aber doch nicht in einem Shoppingcenter mit Bahnanschluss! Diesen Sommer hat die Stadt Bern allerdings die Sitzflächen wieder montiert.

Aber nicht im Bahnhof, sondern in den Hipster-Quartieren. Da stehen jetzt sogenannte Lounges auf den Trottoirs und in den Pärken. Metallstühle, Plastikpflanzen und Töggelikasten, farblich so grausam aufeinander abgestimmt, wie sich das Tiefbaudepartement Gemütlichkeit eben vorstellt. Da lungern jetzt gut verdienende Akademiker mit Kids herum. Der kleine Jean-Bartholomäus hängt zwar auch an der Flasche, aber da ist Milch und nicht Denner-Bier drin. Milch macht stark. Und wer stark ist, braucht irgendwann viel Essen. Das besorgt er sich dann im Bahnhof, wo er, ungestört von Randständigen, einkaufen kann.

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