Mein grösster Teenie-Traum ist Realität geworden. Von jeder Plakatwand blickt mir Johnny Depp entgegen. Er wirbt für ein Parfüm mit dem klangvollen Namen Sauvage – übersetzt «wild». Mutig, in Zeiten von #MeToo auf eine Werbeikone zu setzen, die in letzter Zeit vor allem Schlagzeilen mit ihrer dramatischen Scheidung machte – inklusive Anschuldigung wegen häuslicher Gewalt. Sein Name wird langsam zum Programm. Unvorstellbar, dass wir mal für seinen melancholischen Blick geschwärmt haben.

Aber mit 16 verwechselt man zur Schau gestelltes «Ich leide am Leben»-Gepose schon mal mit Tiefgründigkeit. In den letzten Jahren ist Depp zu einer Karikatur seines Alter Egos Jack Sparrow geworden, des versoffenen Piraten aus «Pirates of the Caribbean». Immer wenn ich ein Plakat von Sauvage sehe, stelle ich mir Johnny Sparrow morgens um 6 über die WC-Schüssel gebeugt vor. Und dann kriegt «Eau de Toilette» eine ganz neue Bedeutung.