Nervt Sie die Katastrophen-Bewirtschaftung der Medien auch? Ich schlage eine Zeitung auf und sehe nur Trump, Krieg, Putin, Syrien und die Beichte eines Promis, dem man zwar nicht helfen kann, ich aber immerhin sein Problem bewundere. Kein Wunder drehen die Leute am Rad und sind überzeugt, dass die Welt immer schlechter wird. Obwohl uns vor lauter Wohlstand Gluten und ungesättigte Fette im Alltag gefährlicher werden als islamistische Sprengmeister. Trotz Carlos-Liveticker sinkt die Kriminalität in der Schweiz ebenso, wie beispielsweise die weltweite Kindersterblichkeit. Und der böse Kapitalismus macht’s möglich, uns stundenlang in Foren mit Gleichgesinnten über die ungerechte Verteilung des Reichtums auszutauschen. Auf dem neuen iPhone 7, während der bezahlten Mittagspause.

Darum habe ich mir vorgenommen, hier einen Kontrapunkt zu setzen. Eine Erbauungs-Kolumne. Herzerwärmend wie ein Labradorwelpe, friedlich wie ein Nachmittag im Aarebedli. Ein absoluter Knaller, wie von der Ruag in Thun hergestellt… Okay, positiv bleiben.

Über den FC Thun schreiben, zum Beispiel. Grossartig, wie sich der Club aus eigener Kraft aus dem finanziellen Sumpf zieht, in dem YB seit Jahren sportlich verharrt. Autsch. Ehrichgesagt, als YB-Fan kann ich momentan nicht über Fussball schreiben. Die Cup-Blamage schmerzt noch zu sehr. Ich heul‘ gleich wieder in die Tastatur. Also hopp, etwas anderes. Etwas Lustiges! Mit Humor verdiene ich schliesslich mein Geld. Und das ist toll, weil ich im Gegensatz zu einem Mitarbeiter in der Kreditorenbuchhaltung, während der Arbeit viel zu lachen habe. Der Buchhalter lacht dafür am Zahltag, aber Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.

Nehmen wir Fasnacht in Thun. Die wurde in den letzten Jahren zum grossen Fest. Früher musste man weit ins Simmental hinauf fahren, um Leute solch erstaunliche Mengen Alkohol trinken zu sehen. Nach Boltigen zum Beispiel. Aber jetzt kann auch der Kleinstädter einmal im Jahr die Sau rauslassen. Organisierte Fröhlichkeit. Biene Majas und Piraten tanzen das Bälliz hinauf, dazu bläst die Guggenmusig „Atemlos durch die Nacht“. Die Hymne aller Asthmatiker. Gott, macht mich das depressiv.

Reiss dich zusammen Mädel, sei positiv. Du schaffst das! Hat schon Frau Merkel gesagt – und wir alle wissen wie’s ‚rauskam: Drei Wochen Flüchtlings-Ekstase im Nachbarland, Syrer wurden am Münchner Hauptbahnhof mit Jubel und Teddybären empfangen, als käme Justin Bieber. Danach: Brennende Asylunterkünfte, die AfD auf Siegeskurs, Mauern in Ungarn, Serbien, Zypern und Norwegen und einmal mehr null Solidarität mit den von der Wirtschaftskrise eh schon gebeutelten Mittelmeerländern Griechenland und Italien. Mist. Jetzt töne ich schon wie die Tagesschau. Schlimm.

Ich merke: Negativ ist sehr viel einfacher als positiv. Positiv ist so unspektakulär, dass es leicht zu übersehen ist. Wie neulich, als ich an einem Mittwochmorgen auf das Niederhorn zum Wandern fuhr. Im Bergrestaurant neben mir am Tisch, ein freundlicher Herr. Wir kamen ins Gespräch. Fast beiläufig erwähnte er, dass er seit zehn Jahren zu Hause seine demenzkranke Frau pflegt. Jeden Tag, rund um die Uhr. Ausser am Mittwoch, da kommt die Spitex. Was dieser Mann tut, das ist gut. Das ist dieses Positive, nachdem wir alle schreien. Aber es findet nicht im Fernsehen statt und nicht auf Facebook statt. Es hat keine Öffentlichkeit. Das Gute ist leise, privat und bescheiden. Ich verabschiedete mich damals von dem alten Mann und wünsche ihm alles Gute. Die Sonne schien und ich wanderte Richtung Waldegg. Das war gut. Einfach nur – gut.

Erschienen am 10.3.17 im Thuner Tagblatt